Dieses Blog ist
Teil der Seite
Kronlose Worte
  Startseite
    allgemein
    aktuell
    persönlich
  Direktlinks
  Information
  Abonnieren
 


 

Ich distanziere
mich ausdrücklich
von den Inhalten
der eingeblendeten
Werbung!!!


http://myblog.de/kronlose-gedanken

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
allgemein

ausgeliefert

Als junger, gesunder Mensch kann man sich aussuchen, wem man vertraut.
Findet man, dass ein Arzt unfähig ist, geht man zu einem anderen. Ist man unzufrieden mit der Behandlung im Spital, unterschreibt man einen Revers und geht. Oder droht mit dem Patientenanwalt. Man wehrt sich.
Hat man keine Lust zu kochen, dann geht man essen oder läßt sich eine Pizza liefern. Und ist man mit der Lieferung nicht einverstanden, bestellt man nächstes Mal woanders. Wenn der Bote kommt, klingelt er, man macht die Tür auf, nimmt die Pizza entgegen, bezahlt und fertig.
Seinen Wohnungsschlüssel gibt man freiwillig seinem Partner oder vielleicht der Mama oder dem besten Freund für Notfälle.
Überhaupt hat man junge, aktive Freunde, die einem helfen, wenn man in Not ist. Die einem gegebenenfalls unfähige Ärzte und lästige Besucher vom Hals halten oder auch mal mit etwas Geld aushelfen.
Man wäscht sich selbst, sucht sich selbst seine Kleidung aus und bestimmt selbst, wohin man geht und was man tut.
Man kann im Schlaf ein Handy bedienen, hat also keine Angst, dass man keine Hilfe erreicht, wenn irgendwo irgendwas irgendwann passiert.
Man hat Internet, Stammlokale, Discos, Cliquen und keine Angst, allein dazustehen.

Klingt alles nach einfachen Kinkerlitzchen, aber wenn man betagt, alt und vielelicht auch noch pflegebedürftig ist, ändert sich dieses Bild schlagartig.
Das kann oft wirklich von einer Minute auf die andere passieren. An einem Tag geht man noch fröhlich mit den Freundinnen in die Stadt auf einen Kaffee, am nächsten liegt man wegen eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls auf der Intensivstation. Und wenn man sich erholt und wieder nachhause darf, hat sich alles geändert.

Man ist nicht mehr fähig, selbst zu kochen, also bekommt man "Essen auf Rädern".
Da ist schon das erste mal Vertrauen vonnöten, denn wer sagt, dass in dem Essen wirklich kein Gift ist? Oder wirklich keine Laktose, weil man ja diese Intoleranz hat? Oder dass das Fleisch wirklich frisch ist und nicht verbilligte weil gammelige Ware verwendet wurde? Plötzlich ist man ausgeliefert, MUSS einfach vertrauen.
Das Essen wird geliefert. Da man selbst nicht fähig ist, die schwere Box zu tragen, läßt man den Lieferanten in die Wohnung. Und wieder ist Vertrauen notwendig, denn wer sagt, dass man keinen Serienkiller oder Räuber in die Wohnung läßt? Oder jemanden, der einem freundlich ins Gesicht lacht, aber beim Hinausgehen den vergessenen Diamantring auf der Anrichte mitgehen läßt? Oder ein Kundschafter für Einbrecher, Trickbetrüger oder sonstige Kriminelle ist?
Möglicherweise ist es einem auch gar nicht mehr möglich, selbst die Tür zu öffnen. Dann haben die Lieferanten einen Schlüssel. Den sie jederzeit benutzen können. Der Lieferant könnte mit dem Schlüssel um jede Tages- und Nachtzeit in die Wohnung kommen und einfach alles anstellen. Da ist ganz schön viel Vertrauen notwendig! Zu dem man eigentlich gezwungen wird. Vertraue oder verhungere. Nicht jeder alte Mensch hat Verwandte. Oder zumindest keine in Reichweite. Und die meisten Freunde sind bereits gestorben. Der Rest ist selbst pflegebedürftig, man hat also keinen, der für einen einkauft und kocht, man MUSS essen auf Rädern nehmen.
Vielleicht will sie ja die jugendliche Tochter der Nachbarn was dazuverdienen und hilft aus, aber wer sagt, dass man der vertrauen kann?

Man kann eine mobile Pflegerin engagieren. Die einen Wohnungsschlüssel hat und somit jederzeit kommen und gehen kann. Jederzeit. Eine junge, kräftige Pflegerin, ausgebildet in richtigem Körperkrafteinsatz, in Medikamentenkunde und sonstigen Tötungsmöglichkeiten.
Man liegt im Bett im dunklen Zimmer, vielleicht in einem beschmutzten Inkontinenzslip und muss warten, bis die Pflegerin kommt. Vielleicht ist sie verhindert, hatte einen Unfall. Oder einfach vergessen. Was dann? Kein Telefon in Reichweite. Mit dem Handy kann man nicht umgehen. Es hat zwar extra große Tasten, aber es hatte noch niemand die Zeit, einem die Benutzung zu erklären. Außerdem sieht man schlecht und kann die Anzeige auf dem Monitor sowieso nicht erkennen. Am Handgelenk ist der Seniorennotruf. Wieder mußte man Wildfremden einfach vertrauen und den Leuten vom Roten Kreuz den Schlüssel zur Wohnung geben. Ansonsten können sie im Notfall ja nicht herein. Soll man also den Notruf betätigen oder doch lieber noch warten, ob die Pflegerin nicht kommt. Man hat ja keine Ahnung, wie spät es ist, denn ohne Brille kann man die Anzeige auf der Uhr nicht erkennen. Und die Brille liegt in der Küche.

Die Pflegerin kommt. Man ist ihrer Laune ausgeliefert. Wenn ihre Kinder sie geärgert haben, dann packt sie schon einmal fester an. Manchmal gibt das blaue Flecken. Und sie flucht vor sich hin, wenn man Stuhl im Inkoslip hat. Aber man kann ja gar nichts dafür, es ist ja bekannt, dass man inkontinent ist. Man traut sich nicht, der Pflegerin zu widersprechen, weil sie die Macht hat. Es ist die eigene Wohnung, aber mit der aufgetretenen Pflegebedürftigkeit hat die Pflegerin die Macht übernommen. Weil sie keine Lust hat, ein Marmeladebrot zu streichen gibt es heute nur Haferflocken mit Milch. Und um ein Ei zu kochen hat sie keine Zeit mehr. Man muss also frühstücken, was sie einem vorsetzt. In der eigenen Wohnung, in der man jahrzehntelang ganze Gesellschaften bewirtet hat.
Man traut sich auch nicht, der Pflegerin deswegen etwas zu sagen, dann wird sie womöglich noch grantiger, das riskiert man lieber nicht. Sonst benutzt sie für die Körperpflege wieder eiskaltes Wasser.

Die Körperpflege. Die Pflegerin bestimmt Wassertemperatur, Feuchtigkeitsgrad des Waschlappens und Seifenmenge. Sie berührt einen überall, auch dort, wo es peinlich ist. Und manchmal tut es weh. Das macht sie vielleicht nicht mit Absicht, aber sie spürt es ja nicht. Man wird von ihr angezogen in Sachen, die sie aus dem Schrank gesucht hat. Sie zieht einem einen rosagrauen Trainingsanzug an, wo man doch sein ganzes Leben lang immer elegant gekleidet war! Sie hat auch keine Geduld für eine schicke Hochsteckfrisur, also bindet sie die Haare nur mit einem Zopfband zusammen. Und das gesicht cremt sie einen auch nciht ein, obwohl die Haut trocken ist und spannt. Keine Zeit. Obwohl sie jede einzelne Minute von eienm bezahlt bekommt. Vielleicht hat sie auch nur keine Lust.
Sie drückt einem die Zahnprothesen auf die Kiefer und die Brille auf die Nase.

Nach dem Frühstück geht sie mit einem in die Küche. Man kann wegen seiner Erkrankung keine großen Schritte mehr machen und geht vornübergebeugt, um das Gleichgewicht besser halten zu können. Wie mit einem Kind spricht sie mit einem: "Gerade gehen!" "Gehen Sie aufrecht!" "Schön ordentlich große Schritte machen!" "Nicht auf den Boden schauen!" Können vor Lachen!
Im Wohnzimmer wird man in einen Lehnstuhl gesetzt, der Fernsehapparat wird eingeschalten. Bereits um acht Uhr morgens. Und wenn sie mit den Gedanken bereits woanders ist, dann vergißt sie, den Rollator in greifbare Nähe zu stellen. So ist man gezwungen, im Lehnstuhl zu sitzen - denn ohne Rollator kann man nicht mehr gehen, man würde sofort auf die Nase fallen und sich etwas brechen - bis wieder jemand kommt und einen befreit.
Man kann sich nicht bei der Vorgesetzten der Pflegerin beschweren, denn man hat Angst vor den Folgen. Was ist, wenn die dann gar niemanden mehr schicken? Oder jemand anders, der vielleicht brutal oder ein Dieb ist? So findet man sich lieber mit der Situation ab und akzeptiert die gedankenlose Pflegerin.
Auch ihr muss man vertrauen.  Denn wenn sie geht, sitzt man im Wohnzimmer, wer sagt, dass sie nicht in den anderen Zimmern die Wertsachen zusammenrafft und damit verschwindet? Und wenn sie es tut, bei den vielen Leuten, die einen Schlüssel für die Wohnung haben, wem sollte man dann was nachweisen können?

Noch jemand, dem man vertrauen muss, ist der Hausarzt. Die Menschen, die jetzt alt sind, stammen aus einer Generation, die erstens medizinisch unaufgeklärt sind und zweitens erzogen wurden, Ärzte als Götter anzusehen. Was der Arzt sagt, stimmt, und was er verordnet muss eingehalten werden. Den Arzt einfach zu wechseln, so wie wir Jungen es beizeiten tun, oder sich eine Konsiliarmeinung einzuholen, kommt für diese Generation einfach nicht in Frage. Wenn nicht ein Verwandfter oder eine Pflegeperson dahintersteht und einem sagt, dass dieser Arzt ein Stümper ist und einem nicht guttut, hat man als Betagter weder den Mut noch das Wissen, um zu einem anderen zu gehen. Man ist also dem Können, dem guten Willen und der Freundlichkeit seines Hausarztes ausgeliefert. Ebenso der Person, die einem die verordneten Medikamente verabreicht. Wer sagt, dass sie sich nicht vertut und einem die vierfache Menge an Digitalis verabreicht?

Bankgeschäfte, andere Geldangelegenheiten, Dinge, die auf der Post zu erledigen sind und noch vieles, vieles mehr wird plötzlich Menschen anvertraut, die man vielleicht nicht einmal wirklich kennt. Man MUSS vertrauen, wenn man überleben will. Man ist vollkommen ausgeliefert. In einer Welt, von der man tagtäglich in den Medien gesagt bekommt, dass sie immer schlechter wird, dass es keine ehrlichen Menschen mehr gibt.

So manche Leser wird nun vielelicht bei sich denken, ich habe die Situation etwas übertrieben dargestellt. Denen möchte ich sagen:
Macht eine "Fantasiereise" der anderen Art. Legt Euch ruhig und entspannt an einen bequemen Platz. Denkt an etwas Schönes. Macht die Augen zu. Und dann stellt euch folgendes Szenario vor:
Ihr wacht auf, Eure rechte Körperhälfte ist gelähmt, Ihr könnt nicht mehr richtig sprechen, sondern nur mehr lallen. (Symptome schwerer Schlaganfall)
Ihr bemerkt, dass ihr in Euren eigenen Exkrementen liegt. Ihr könnt nur den Kopf heben und seht Euch um. Da bemerkt Ihr, dass Ihr einem Zimmer in einem Altenheim liegt, Euer Bett hat rundherum ein Gitter. Rechts neben Euch, nur etwa einen Meter entfernt, steht ein zweites Bett, Ihr lebt in einem Doppelzimmer.
Und nun überlegt, was Ihr alles nicht mehr selbst könnt, was von anderen für Euch gemacht werden muss. Wem Ihr einfach vertrauen MÜSST, weil Ihr ausgeliefert seid.

(Der Sinn dieses Textes ist es nicht, Menschen Angst vor dem Altwerden zu machen. Das Alter kann auch sehr schön sein. Der Text soll nur zum Nachdenken anregen. Wenn man sich ein bißchen hineinfühlt, dann beginnt man vielelicht die Situation von alten Menschen zu verstehen und somit auch ihr Verhalten. Und vielleicht hilft man eher mal, als nur empört den Kopf zu schütteln. Und vielleicht lebt man auch sein eigenes Leben bewußter, geht anders mit seinen Mitmenschen um, in Voraussicht darauf, dass man selbst nicht jünger wird...)



23.2.08 12:31


verschwunden

Heute dachte ich mir, ich werde mein Gästebuch durchstöbern und wieder mal bei den Leuten reinschauen, die mir ganz am Anfang meiner HP-Zeit einen Eintrag hinterlassen haben.
So klickte ich eine ganze Menge Links an und wurde erstaunt und enttäuscht.

Neun von zehn Pages gibt es nicht mehr.
Einstige wirklich gute und schöne Seiten voller toller Inhalte und Bilder gibt es einfach nicht mehr, wurden gelöscht.

Es gibt soviel Müll und Irrsinn im Net, da wird jede gute Seite gebraucht. Der ganze Müll überlebt, aber liebevoll gestaltete Seiten werden ersatzlos vernichtet.
Das gibt zu denken, denn warum löscht jemand seine Seite?

Ich war auf meiner hier auch lange inaktiv, weil ich der Modeerscheinung "Blog" verfallen war, aber ich habe deswegen sie nicht gelöscht.

Da stecken so viel Liebe, Zeit, Energie und auch Geld drin, es wäre mir ewig schade darum.

Sogar mein Erstlingswerk, das völlig grell, chaotisch und verwirrend ist, lösche ich nicht, es ist eine Erinnerung an meine Webanfänge.

Schade, ewig schade.

Ich hätte so gerne "alte Freunde" besucht, aber sie sind verschwunden....

(2007)

20.1.08 15:07


Toleranz

Da lebt man in einer Welt, in der Toleranz ganz groß geschrieben wird, jedem und allem gegenüber muß man tolerant sein. Ansonsten wird man beschimpft und gemieden. Aber wie ist es, wenn man selbst jemand ist, dem gegenüber man tolerant sein sollte? Darf man sich diese Tugend von seinen Mitmenschen erwarten? Nein! Ich habe die Erfahrung gemacht, daß genau die, die im lautesten für Toleranz schreien, diejenigen sind, die sie am wenigstens praktizieren
Ich habe eine Bekannte, die sich irrsinnig für die Homosexuellen einsetzt. Wehe, Du sagst in iherer Gegenwart nur ein falsches Wort über Schwule, da kratzt sie die die Augen aus. Aber daß ich dick bin, das hält sie mir dauernd vor. Wenn ich in ihrer Gegenwart etwas esse, daß mehr als 0,3% Fettanteil hat - manno, da kann ich mir was anhören! Fette dürfen prinzipiell NIEMALS etwas essen, daß dick machen könnte. Daß das so nicht funktioniert, ist eine andere Geschichte. Aber nun beim Thema Toleranz zu bleiben.
Selbst meine Chefin hat mich schon zu ihr ins Büro geholt und mir nahegelegt, doch abzunehmen (wobei sie mir natürlich nicht zu nahe treten wollte), denn mit meinem Körpergewicht bin ich sicher nicht so leistungsstark wie andere. Wahnsinnig tolerant, denn ich schöpfe wie ein Pferd und schaffe sicherlich und nachvollziehbar mehr als so manch Schlanker in meinem Team.
Genausolche Erlebnisse hatte ich in Bezug auf meinen Glauben. Als ich meinem Chef sagte, daß ich nicht zur firmeninternen Weihnachtsfeier komme, weil da schon Sabbat ist, hat er mich angefahren und mir einen Vortrag gehalten, der sich gewaschen hat! Auch von Kollegen wurde ich schon beschimpft und verspottet, obwohl ich ganz sicher niemanden mit meinem Glauben belästige. Soweit also zur Toleranz.
Ich werde gedemütigt, verspottet, angefahren, teilweise körperlich angegriffen, aber wehe ich bin nicht tolerant anderen gegenüber!
20.1.08 13:21





Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung